|
Zugegeben, ich bin auf diese Wendung aus dem Bauch heraus gekommen. Mit der gefühlten Gewissheit, dass es so was gibt, die „Poesie der Straße“ für mich! Hier also: Bewegungs-Orte einer nicht-vergessenen Wildnis, wo alles in dynamischer Komplizenschaft verbunden ist… Diese Poesie speist sich aus dem, was die Straße als aushäusiger, archaischer Ort hergibt. Der Ort des siamesischen Zwillings des Häuslichen, des offenen Deals, des Wendigeren, Lauteren, Schnelleren, Stärkeren, Mutigeren, Gewitzteren, Geliebteren, … der unverhohlen Verachteten, Getreteten…, der Abstauber, Ver-Führer, Trickser, Traumtänzer, Maulhelden, …, also der Spiele, Spleene und Hallo Darwin! - der Wett-Kämpfe …und: des (oft situativen) Zusammenhaltens. Der Kitzel sind die Anderen. Dazu zu gehören, sich selbst an den anderen zu erleben, Grenzerfahrung, Lust auf Abenteuer, unbändiges Vergnügen… Wo aus Umgang Sprache erwächst. Etwa: Kein feed back ist ehrlicher, verdienter,als die hier verpaßten Spitznamen, oft „neck“names. Es gilt die Abmachung - Wer definiert, ist König! -, sowie die ungeschriebene Man befindet sich dicht am Kern, Triebhaften.
Und: Der polarisierende Ort des High Noon demokratischer Bewegungen. Berlin, Leibzig, Kairo Gorleben, Stuttgart. Ein öffentlicher Angstort der Herrschenden und des Biedermanns.
In einer Poesie der Straße firmiert all das Erwähnte seelenmäßig. Sie ist Ausdruck des Zurandekommens, der Situationsbewältigung… der Auflehnung mit durchgreifender Wirkung auf Inhalt, An-Sprache, Musik und Auftreten. Etwaige Anzeichen: Direktheit, Spott, Schlagfertigkeit, Wandelbarkeit, Aktualität, Wort - Witz, Komik, Umgangssprache, Bildersprache, Stab-Reime, Ruf/Schrei/An-Klage, Polarisierung, Übertreibung, Inbrunst, Eigensinnigkeit, Eingängigkeit (Gassenhauer)… Wenn Poesie vermag, „Seelen“-Zuständen, die rational kaum faßbar sind, eine Sprache zu verleihen, dann hier. Öffentlich-Rechtlich nicht ausgewogen, auf Literaturpäpste pfeifend, in Wortwahl nicht immer salonfähig, jedweder Verwertungstotalität sich entziehend ist sie Gegenteil des konventionell Verbrämten… Spiegel einer nicht vergessenen, alten Menschlichkeit…aus der Trendscouts für den Zeitgeist abgreifen. Als Schlüssel aus/zu einer ungestillten Sehnsucht ein subtiler politischer Sprengsatz!
Üze Oldenburg, Juni 2011 |